Schnitzeljagd auf Rädern

Schnitzeljagd auf Rädern
Schnitzeljagd auf Rädern

Es knackt im Bordlautsprecher des Charterfliegers. Das ist die Stewardess mit dem Wetter am Zielort Murmansk: „Wolkenlos, windstill, minus 26 Grad.“ Mittags wohlgemerkt. Von Reihe eins bis vierzig horchen alle auf, dass man es hört. Räuspern, Kichern, Seufzen. Aber weil es sich um eine Ladung Moskauer Journalisten handelt, deren Auftrag darin xvideos besteht, die Exotik eines zweiwöchigen Autorennens durch Schnee und Eis einzufangen, finden die meisten umgehend Gefallen an den Temperaturen. Je extremer, desto genehmer. Am Abend werden Westen und Jacken ausgeteilt für Reporter, die bei ihren ersten Interviews mit den Teilnehmern blau anzulaufen drohten.
Die Medien haben sich auf Anhieb in die „Expedition Trophy“ verliebt, deren Premiere soeben zu Ende gegangen ist. Kein Wunder: 12000 Kilometer im Geländewagen von Murmansk nach Wladiwostok, vom Nordwesten in den Südosten, vom Eismeer zum Pazifik sind der Stoff, aus dem die Träume sind – für die 34 gestarteten Mannschaften, aber auch für youporn Motorsportler im Geiste. Und so servierte der Privatsender NTW allabendlich ein paar Minuten Abenteuerromantik von der Strecke. Die Teams (jeweils fünf Männer und eine Frau) aus dem In- und benachbarten Ausland dampften regelrecht vor Emotionen und waren dankbar dafür, sich mitteilen zu dürfen. Sogar die nach dem Reglement von Etappe zu Etappe als Letztplatzierte Ausgeschiedenen wollten kein Trübsal blasen. Wiktor Schurawljew von „Adrenalin“ aus Kiew in Anspielung auf die Siegprämie von 15 Kilo Gold: „Uns ging’s doch nicht ums Gold, sondern die Eindrücke. Schauen Sie auf unseren Namen! Adrenalin ist jede Menge geflossen.” Für redtube manche waren die körperlichen Herausforderungen dabei noch die geringste Schwierigkeit. Das Moskauer Team FDA meldete sich bei Halbzeit der Tour von sich aus ab, weil sich die Mitglieder nicht mehr riechen konnten. Auch deshalb sagt Rennkommissar Alexander Dawidow: „Bei uns entscheidet der menschliche Faktor, nicht die Technik.“
Die Rallye ist groß gedacht und groß gemacht. Sie zielt aber auch sehr hoch. Dawidow, der schon als Teilnehmer an der „Camel Trophy“ Erfahrungen sammelte: „Wir wollen das Russland jenseits von Matrjoschka, Samowar und neuen Russen xnxx zeigen.“ Das Russland, in dem Enthusiasten mit Initiative eine Veranstaltung von internationalem Format auf die Beine stellen und dennoch eigene Wege beschreiten. Hinter dem Projekt steht der Moskauer Klub „Expedizija“, der Großstädtern das Erlebnis Natur vermitteln möchte, auch ein Restaurant für nordische Küche unterhält, eine Outdoorzeitschrift herausgibt und die vielleicht engagierteste Webseite im ganzen Land betreibt (www.dorogi.ru). Wie er die Kosten des Rennens, von Dawidow mit „mehr als einer Million Dollar und weniger als fünf“ beziffert, refinanziert, ist nicht ganz klar. Der Generalsponsor, eine Firma für Camping- und Schaschlykbedarf, passt zwar zum Konzept, ein Millionen-Werbe-Budget hätte bei ihr jedoch niemand vermutet.

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Startgebühren wurden jedenfalls keine verlangt. Teilnehmen an der „Expedition Trophy“ soll nämlich jeder können, wobei das Team in der Lage sein muss, zwei Geländewagen zu mobilisieren. Keine Glitzersänften, wie sie sich in Moskau epidemisch zu vermehren scheinen, sondern Arbeitspferde, die etwas aushalten können. Bei der Rallye haben japanische Fabrikate dominiert, Allradler vom Band, aufgerüstet mit Satellitennavigation, Schnorchel und ähnlichem. Ein paar russische Modelle waren auch dabei, wie der UAS 469B von Jurij Sanin: „Baujahr 1975, ein Veteran. Aber zäher als alle modernen Jeeps hier.“
Aufgebaut ist die porno Trophy im Stile einer Schnitzeljagd, mit Sonderaufgaben im Gelände, die den Mannschaften Orientierungs- und Koordinationsvermögen abverlangen. Nur kluges Manövrieren über die Dörfer führt zum Erfolg. Und weil die Straßenkarten allgemein zu wünschen übrig lassen, wird die interessierte Landbevölkerung oft mit einbezogen in die weitere Streckenplanung. So mancher Babuschka waren schon wichtige Tipps zu verdanken.
Nächstes Jahr will sich die Rallye für Bewerber aus aller Welt öffnen. Rennleiter Alexander Krawzow: „Wir hoffen, dann auch drei bis vier Teams aus Deutschland hier haben.“ Einziger „Nemez“ war diesmal Eugen Rudy, russlanddeutscher Kraftfahrer aus Ludwigsburg, in einer Moskauer Mannschaft. Der 29-Jährige wuchs in Kasachstan auf, lebt aber schon so lange in Deutschland, dass er schwäbelt. Doch in der Mentalität seiner Teamkollegen hat er sich jetzt wiedergefunden: „Das sind ganz andere Menschen.“ Man meint herauszuhören: wärmere.

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Eine kleine politische Fußnote gab es auch. Der weiße Luxuszug, mit dem Presse und Ehrengäste neben dem Rennen herchauffiert wurden, hatte orange sein sollen, analog zur Klubfarbe von „Expedizija“. Doch die Bahn schickte ein Schreiben: alles andere, nur kein Orange. Ohne Begründung. Wie es heißt, kam die Anweisung aus höchsten Kreisen. Die Ukrainisierung des Gleisnetzes – sie wurde gerade noch einmal verhindert…

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